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Weyland trifft Keule – Body meets Brain „Der Jahresrückblick 2012…“

Viel ist passiert im Jahre 2012 – Michael Weyland und Karl Keule haben es für Euch zusammengefasst aus Ihrem ganz eigenen persönlichen Blickwinkel und haben bestimmt wieder viel vergessen…

hörst Du hier!

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Eintrag ins Logbuch 04/12/12 13:45h

Ich denke, das Internet kann ganz schön doof, verletzend sein. Nein nicht das Internet. Es ist immer das, was wir daraus machen.

Dazu zwei Leseempfehlungen:

Netzhass ist gratis von Sascha Lobo

Die andere Seite der Medaille von Jule

WeltWeitWeg – eine Kurzgeschichte von Karl Keule

Er blickte mehr der Ordnung halber auf den Bildschirm. Alles wie gehabt, der fünfte Tag ohne das Internet.
Weltweit weg.

Bastian Landner stand auf und ging den langen Redaktionsflur entlang in den großen Konferenzraum, wo seine Redaktion schon auf ihn wartete. Es war auf den Schlag genau zehn Uhr. „Guten Morgen, was steht an?“ fragte er. Mit diesen Worten eröffnete der Chefredakteur der kleinen unabhängigen Tageszeitung WilderWesterWald-Kurier wie jeden Tag die erste Redaktionssitzung.

Aber es war nicht wie jeden Tag. Es war der fünfte Tag, an dem das WWW ausgefallen war, weltweit. Auf der ganzen Welt hatte es eine international agierende Computerhackergruppe über viele Internetplattformen wie Twitter und Facebook angekündigt: „Wir machen es platt euer Internet!“ Die Ankündigungen wurden überall belächelt, nicht ernst genommen. Aber sie hatten es geschafft, das was keiner für möglich gehalten hatte. Durch das geschickte Einschleusen eines Computervirus, hatten es die Hacker darauf angelegt alle wichtigen Rechner derart zu verseuchen, dass nach und nach weltweit alle Internetserver ihren Geist aufgeben sollten. Es war ihnen gelungen. Weltweites Chaos brach aus. Schnell stellte man fest: Der Mensch, das gesellschaftliche, das wirtschaftliche Leben war abhängig geworden vom WWW. Abhängig wie der Süchtige von seiner Droge. Notfallpläne mussten schnell her, damit das Leben wieder halbwegs funktionierte, nicht ganz zum Erliegen kam.

Auch der WWW-Kurier, für den Landner die Verantwortung trug, war im Laufe der Jahre abhängig geworden von der modernen Technik. Bekam man doch täglich die Agenturmeldungen via Email und virtuellem Ticker auf dem Flatscreen präsentiert. Zumal sich die Redaktion auch stark im Web 2.0 präsentierte, einen großen Teil der Kommunikation mit den Lesern über Social Media führte. Das Zeitungsnetz hatte weltweit prompt reagiert. Verstaubte Ticker und Faxgeräte wurden wieder aus den Kellern geholt und funktionstauglich gemacht, damit der Fluss der Meldungen wieder einigermaßen funktionierte. Schnell hatte die Redaktion des WWW-Kuriers die wenigen Meldungen, die an diesem Tag hereinkamen abgehandelt. Der Rahmen für die nächste Notausgabe des WWW-Kuriers war gebaut.

Zum Glück funktionierte der alte analoge Münzkaffeeautomat noch, der keinen Internetanschluss, wie andere Geräte für Updates hatte. Landner warf fünfzig Cent ein, der Automat zischte. Wenigstens ein verlässliches Geräusch in diesen Tagen. Er nahm den Becher und ging in sein Büro zurück. Gedankenversunken starrte er auf den Bildschirm, als das Telefon klingelte. Landner nahm den Hörer ab und meldete sich. „Hallo hier ist Alexander Soho.“ sagte die Stimme am anderen Ende. „Alexander Soho?“ fragte Landner. Er versuchte seinen Gesprächspartner einzuordnen. „Genau Soho, sie kennen mich von Twitter unter @AlexSoho. Was machen sie denn so ohne Internet Herr Landner?“ Landner konnte es kaum glauben. Ihn rief gerade der an, der so gerne verbal auf die Printmedien haute. Der Web 2.0 Guru, dem bedrucktes Papier vollkommen unbekannt war. Wenn einer vom Internet richtig abhängig war, dann Soho. „Wir können wenigstens noch Zeitung machen und sie?“ antwortete Landner. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Aus dem Vorgeplänkel wurde dann doch für beide ein interessantes Gespräch. Schnell kamen Landner und Soho zu dem Fazit, dass der eine von dem anderen lernen könne. Landner fragte Soho, ob er nicht Lust hätte mal Chefredakteur für einen Tag beim WWW-Kurier zu sein. Der nahm das Angebot etwas unsicher an. Soho bot an, Tipps zu geben, wie der WWW-Kurier Web 2.0 noch besser nutzen könnte, wenn das Internet dann mal wieder laufen würde. „Auf ReTwittern.“ sagte Soho zum Abschluss.

Landner lehnte sich zurück und dachte: „Es ist gut, dass Social Media auch ohne WWW funktionieren kann…“
Er blickte mehr der Ordnung halber wieder auf den Bildschirm. Alles wie gehabt, es war der fünfte Tag ohne das Internet. Weltweit weg. Doch er war anders als die Tage davor…


Bemerkung Karl Keule:
:
Diese Geschichte entstand anläßlich eines Aufrufes der Rhein-Zeitung eine Kurzgeschichte mit dem Ausgangsszenario zu schreiben, daß das Internet global seit fünf Tagen ausgefallen ist. Die Geschichte wurde im Rahmen der Aktion der Rhein-Zeitung „Chefredakteur für einen Tag“ geschrieben. Wie der „Chefredakteur für einen Tag“ hieß habe ich vergessen. Jedoch sind alle Personen in dieser Geschichte nicht frei erfunden und Ähnlichkeiten mit Personen des realen Lebens nicht ausgeschlossen, sondern ganz bewußt politisch unkorrekt gewollt.

Das Internet-Manifest – was für ein fades Fest…

Liebe manifestierte hausmeisterliche Internetgemeinde,

zuerst dachte ich ja, ich hätte den Hinweis auf eine neue Satireseite im Netz bekommen: das Internet-Manifest. Doch dann las ich die siebzehn Thesen, die nach lutherischer Art in das Internet genagelt wurden und war nicht amüsiert, da diese Thesen noch nicht einmal als Satirevorlage geeignet sind.

Ein Mani-Fest, was für ein Fest, von Menschen, die das Wort Manifest wohl falsch verstanden haben, aber wohl den Anspruch haben, für eine breite Schicht sprechen zu wollen. Eine neue InternetKaste ist geboren, die Internet-Elite, die der Menschheit mit ihren Thesen zeigen will, wie der neue moderne Journalismus auszusehen hat.

Ich denke so ein Manifest braucht kein Mensch.
Es reicht die Beachtung des Grundgesetzes insbesondere des Artikel 5GG.

Der Internetbenutzer kann / wird auch in Zukunft für sich selbst entscheiden, welche Qualitätsnormen er an die ausgewählten Medien stellt und wird sie nach seinen Bedürfnissen selektieren.

Ganz uneigennützig ist dieses Manifest wohl auch nicht, sieht man sich einmal die Liste der Autoren an. Mit dem Manifest bringen sie sich mal wieder ins Gespräch. Ich nenne das eine geschickt lancierte Selbstvermarktung, um auf das eigene Schaffen aufmerksam zu machen. Könnte aber auch das Gegenteil bewirken, in dem man sich selbst ad absurdum führt und damit der Lächerlichkeit preisgibt. Aber das ist der Elite ja egal.

Und natürlich werden auf dieses Manifest wieder viele Medien springen, die Autoren werden zu Interviews eingeladen usw. und können sich breit über ihre Visionen, die dann doch gar nicht so visionär sind auslassen.

Aber ein kleiner Hinweis, hört nicht auf diese vermeintliche Internet-Elite, das Netz ist viel bunter und vielfältiger in der Meinung, als in dem Manifest dargestellt. Die Thesen sind keine Aussagen, die mich wirklich erstaunen lassen und die Netzwelt erschüttern. Ändern wird sich das Netz in den nächsten Jahren und auch der im Manifest beschriebene Journalismus so oder so, da der Nutzer über die Qualität entscheidet.

Ach ja liebe Autoren These 3 ist der größte Quatsch den ich seit langem gelesen habe: „Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet“. Hallo, aufwachen, kommt mal raus aus eurem Kabuff, das Internet ist nur ein Teil der Gesellschaft, die große Gesellschaft ist viel bunter!  

Es gibt wichtigere Inhalte , über die es sich lohnt zu reden und zu schreiben, als über dieses „Manifest“.

Aber ich führe ja auch nur einen kleinen SatireBlog, der die Internet-Elite wohl nicht versteht.

In diesem Sinne einen hausmeisterlichen ManiFestTag

Karl Keule©

„KeulenKalle©“