Karl Keules Welt©-DAS etWas andere Satire BLOG

satirisch, nachdenklich, ehrlich, manchmal häufig politisch und sprachlich unkorrekt!

Funktion des Menschen…der funktionierende Mensch…

Hallo liebe funktionierende oder auch nicht Gemeinde,

es muss / sollte doch funktionieren, hört man immer wieder…

Aber was bedeutet das eigentlich für den Menschen, der in ganz verschiedenen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens funktionieren muss / sollte.

Das Wort Funktion kommt vom lateinischen Wort functio und bedeutet Tätigkeit, Verrichtung. Aber was bedeutet das im alltäglichen menschlichen Leben?

Wenn man den Menschen nicht als Subjekt und Individuum einstufen würde, sondern ihn als Objekt betrachtet, dann könnte man die Funktion des Menschen ganz einfach danach einteilen, welche Aufgabe er zu erfüllen hat. Ganz einfach wäre es dann einen nicht funktionierenden Menschen zu beurteilen. Nun ist der Mensch allerdings kein passives Objekt, somit kommen wir mit dieser Begriffserklärung nicht weiter.

Vielleicht hilft uns ja bei der Betrachtung die Systemtheorie weiter, da wir Menschen ja bekanntermaßen in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen leben (Familie, Beruf, Schule, Verein und was es nicht noch so alles gibt). Könnte dann der Mensch als Teilsystems eines großen Systems betrachtet werden, dessen Funktion es wäre, als Eingangsgröße unter Zuhilfenahme verschiedener Parameter in eine Ausgangsgröße gebracht zu werden, wodurch er ein funktionierendes Systemmitglied würde, um letztendlich im System wieder eine brauchbare Größe zu sein? Verwirrt? Besser drückt es eigentlich das Beispiel im Artikel „Funktion in der Systemtheorie“ in Wikipedia aus: „Das System Schule überführt das „Eingangsprodukt“ Kind unter Zufuhr von Finanzmitteln und Wissen in die Ausgangsgröße „wertvoller zukünftiger Bürger“ (Funktion Bildung und Erziehung). Herzlich gelacht, was ist denn jetzt ein „wertvoller zukünftiger Bürger“? Kiste Schule aufgemacht, Kind reingestopft, Wissen und Kohle rein, Deckel zu, dreimal geschüttelt und schon ist er fertig, der funktionierende Bürger von morgen. Anwenden lässt sich dieses Beispiel bestimmt auf viele Lebensbereiche.

Es wird schon funktionieren, es ist bisher noch immer gut gegangen, aber wehe wenn ein Parameter mal falsch justiert war.

Also kommen wir unter Zuhilfenahme der Systemtheorie auch nicht weiter, um eine auch nur in Ansätzen brauchbare Definition der Funktion des Menschen zu definieren.

Auch die Funktionserklärungen der Mathematik und der Programmierung lassen einen, bei einer Adaptierung auf die Funktion des Menschen eher ratlos zurück.

Weiter im Begriffsdschungel der Funktionalitäten, irgendwo muss man doch was über einen funktionierenden Menschen erfahren können.

Die Soziologie spricht von einem Strukturfunktionalismus, betrachtet hierbei aber auch wieder nicht den einzelnen Menschen, sondern die Funktionsstruktur von sozialen Systemen.

Es wird eng noch irgendeine gescheite Definition über die Funktion des Menschen zu finden. Er muss doch funktionieren, wir haben doch Leitbilder, Gesetze, Traditionen und vieles mehr. Es wird ganz schnell geurteilt, wann der Mensch nicht mehr funktioniert, wann er nicht mehr systemkompatibel ist. Aber wie kann man die Arroganz haben, solche Schlüsse zu ziehen, wenn man noch nicht einmal eine Definition zur Funktion des Menschen oder über einen funktionieren Menschen hat?

Selbst die Philosophie hat sich mit dem Funktionalismus beschäftigt. Aber bei genauerer Betrachtung hat diese Philosophie auch so gar nichts mit dem menschlichen Leben zu tun und ist nur eine Theorie fern jeglicher Praxis.

Aber der Mensch muss doch funktionieren, aber wehe wenn nicht.

Sehr gut gefällt mir die Funktionstheorie als Teilgebiet der Musiktheorie. Sie beschreibt die Verhältnisse von Dur und Moll in der Musik. Vereinfacht würde ich es für die menschliche Funktion so beschreiben:

Der Mensch hat Dur- und Mollanteile in sich, die er sein Leben lang versucht in Einklang zu bringen und sich somit seine individuelle Lebensmelodie komponiert, die ihm eigentlich gut tun sollte. Vielen Menschen gelingt dieses, auch wenn sich in der Lebensmelodie so manche Dissonanz einschleichen kann. Aber was ist mit den Menschen, denen es nicht mehr gelingt? Die nicht mehr funktionieren? Haben sie keine Funktion mehr?

Ich komme hier nicht weiter, man kann wohl keine allgemeingültige Funktion des Menschen finden. Aber oft weiß die Gesellschaft, wann ein Mensch nicht mehr funktioniert. Spätestens dann, wenn ein Mensch sein Leben hier in diesem Dasein nicht mehr leben kann, will oder darf. Dann kommt die versteckte Frage auf, warum hat er, konnte nicht mehr so funktionieren, wie es von ihm erwartet wurde, obwohl es keine Definition über die Funktion oder einen funktionierenden Menschen gibt.

Warum dieser nicht wissenschaftliche, nicht journalistisch gut durchdachte Text? Es war ein Versuch, ein vielleicht gescheiterter Versuch mir erklären zu wollen, warum sich Menschen ihr Leben nehmen, warum sie andere Wege einschlagen, als sie in der unserer Gesellschaft gültig sind? Ich sage explizit unsere Gesellschaft, weil andere Systeme bestimmt andere Probleme mit der Funktion des Menschen haben.

Ganz besonderer Anlass für diese Betrachtung des funktionierenden Menschen war der Suizid eines sehr guten Schulfreundes, den ich eigentlich bei einem Abiturtreffen erwartet hatte, der aber nicht kam, nie mehr kommt. Wie ich hörte und mir selbst übersetzte, funktionierte er wohl nicht mehr in seinen gesellschaftlichen und sozialen Systemen. Wollte oder konnte nicht mehr funktionieren sodass er keinen anderen Weg mehr finden konnte.

Es sollte eigentlich ein satirischer Text über die Funktion des Menschen nach keulscher Art werden, aber hier funktionierte der Schreiber nicht, konnte nicht funktionieren…

Aber vielleicht macht dieser Text doch Sinn, dann eben doch nachdenklich, satirisch, ehrlich, manchmal häufig politisch unkorrekt.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein hoffentlich funktionierendes Wochenende…

Karl Keule ©

„Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“ (Bertolt Brecht)

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2 Antworten zu “Funktion des Menschen…der funktionierende Mensch…

  1. Martin Jansen 4. Dezember 2011 um 22:44

    Sehr gelungener Text wie ich finde …
    und ganz nebenbei erster Eintrag bei Google : der funktionierende Mensch !

    • Karl Keule 5. Dezember 2011 um 09:00

      es freut, Karl Keule sagt danke für diesen Kommentar und gibt sich weiter Mühe…

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